Montag, 9. März 2026

Buchkritik: George Micheal, "Haargeheimnisse. Schönes Haar auch für Sie"

 Eckdaten

- Erschienen im Original (Secrets for Beautiful Hair) 1981, deutschsprachige Ausgabe 1994

- ISBN der deutschsprachigen Ausgabe 3-926453-65-6
- nur noch gebraucht erhältlich, amerikanische Ausgabe dabei irrsinnig teuer, die deutschsprachige zum Preis einer Fernsehzeitung zu bekommen (Amazon)


Autor

George Michael scheint eine schillernde Figur gewesen zu sein, was man davon halten soll... nun ja.
Die Netzwerker haben sich hier schon kundig und unterhaltsam an dem guten Mann abgearbeitet (plus Bonustroll und George-Michael-Fangirl).

Ich fasse die 12 Seiten mal zusammen:
George Michael wurde in Sankt Petersburg geboren, als Sohn wohlhabender Eltern.
Er studierte Medizin und promovierte als 23jähriger über das Thema "Haare" - und zwar mitten während des WWII.
In einer besetzten Stadt.
Als gesunder junger Kerl. *hust*

Natürlich hat man während des WWII in Russland alles ins Militär gezerrt, was noch halbwegs kriechen konnte, außer Medizinern, die an so enorm wichtigen und akut kriegsrelevanten Themen forschen wie "Haare".
WieWerWasWieso genau mit Haaren konnte ich nirgendwo finden - ob damit was aufgesogen, abgedichtet oder zu Sprengstoff oder Giftgas verkocht werden sollte oder ob Georgy-Porgy doch eher an neuen innovativen Formen der Duttologie und Flechtistik mit Schwerpunkt Zopfgummis-ohne-Metallhülse geforscht hat?
Wir werden es nie erfahren, da es wohl auch keine Unterlagen zu seiner Forschung und seiner Doktorarbeit gibt *husthust*

George Michael hat also seinen Doktortitel der Medizin in sehr jungem Alter und trotz Krieg bekommen, mit einer Doktorarbeit über Haare, bevor er in die USA ausgewandert ist.
Dort hat er als Hausarzt Dermatologe Krankenpfleger Friseur gearbeitet.

Ist es wahrscheinlich, dass jemand, der intelligent, stur und gerissen genug ist, mitten im WWII herrlich und in Freuden in seinem Elfenbeinturm zu sitzen und über Scheißdreck wie Haare zu forschen, wenn um ihn herum alles zurück ins Mittelalter gebombt wird, in die US of A auswandert - und dort zu schluffig ist, sich seinen Doktortitel und seine Abschlüsse anerkennen zu lassen? *husthusthust*

Als Friseur etablierte sich George Michael dann als "Langhaarpapst" und Coiffeur der Reichen und Schönen, jedenfalls versucht er, diesen Eindruck durch konstantes und überhaupt nicht nerviges Name dropping zu erwecken *husthusthusthust*


Inhalt

Heute wird es schlimm, wir werden sehr lachen, uns sehr wundern und eventuell brauchen wir auch noch eine Kotztüte.
Das Buch ist eine Werbung für GM-Friseure und GM-Produkte, abgerundet mit Name dropping und reichlich hanebüchenem Bullshit, dazwischen wenige brauchbare und altbekannte Tipps wie Haare sanft behandeln und auch sehr lange Haare ab und an ein wenig trimmen.

Kleines Worst of GM gefällig?
- bei Toten wachsen Haare und Fingernägel weiter.
- je länger das Haar, desto weniger Haare fallen aus. Laut Autor fallen bei bodenlangem Haar nur zwei Haare täglich aus.
- Stufenschnitte und Ponys verursachen Haarausfall.
- SchiDrü-Probleme machen supidupi Haare, die fünfzehn!!! cm im Monat wachsen. (NOPE)
- Dunkelhaarige werden früher kahl.
- Emanzipation und Karriere lassen Frauen männerartigen HA bekommen; des Autors Frauenbild ist eh mindestens seltsam. Dazu später mehr.
- Holzhaarnadeln (=Stäbe, Forken) sind des Teufels, verletzen euch und machen hässliche Haare. Nur Steckkämme sind gut, und zufällig verkaufte George Michael ebendiese für sehr gutes Geld *husthustHUSThusthust*
- Handwerker haben besseres, dichteres Haar als Leute, die mit dem Kopf arbeiten #mussmanwissen
- die Urmenschen haben angefangen, Fleisch zu essen, weil bei Waldbränden verbrannte Tiere so lecker rochen.
- am Ende des WWII sahen alle super aus und hatten tolles Haar, weil sie soviel Salat gegessen haben.
- graue Haare entstehen durch Vitaminmangel.
- Selbstgerührtes pfui, GM-Shampoos hui. *mein Gott, dieser Husten bringt mich noch um*
- Henna ist auch böse, chemische Haarfarben sind sicher (ähemmmmmm... das Buch erschien '81. Hat sich die Rezeptur von Haarfarben seit 1981 radikal verschlechtert? 1996 haben sie jedenfalls mehr gestunken als heute, deswegen tippe ich stark auf "nein".)
- Einheitliche Haarlänge/Pottschnitt XXL ist das einzig Wahre für dichtes, langes Haar, denn sonst fallen die Haare aus; insbesondere Ponys und Stufen machen kurzes und dünnes Haar. *aaaargh, dieser Husten  *
- George Michael trommelt nicht nur extrem für seine Produkte, sondern auch für den Flip-Haarschnitt; der ist nicht, wie man von einem LANGHAARpapst erwarten könnte, ein stumpfer Haarschnitt ala King Kong, Bodenlänge, leicht getrimmt an Händen und Fußknöcheln, sondern ein knapp schulterlanger, 1981 schon muttihafter Haarschnitt mit Außenwelle.

Das Frauenbild des Autors lässt sich im Grunde runterbrechen auf "zerbrecht euch nicht eure hübschen Köpfchen und achtet darauf, fickbar zu bleiben, alles andere beleidigt das männliche Auge."

Weils so schön behämmert ist, möchte ich die Geschichte von der gebürsteten (bwahaha) Bäuerin zitieren:
"Stellen Sie sich eine arme, abgearbeitete Bäuerin vor und denken Sie an ihren Tagesablauf.
Nach dem Aufwachen beim Morgengrauen fachte sie das Feuer an, holte Wasser und fütterte das Vieh.
Dann weckte sie ihren Mann und bereitete sein Frühstück.

Sie hatte immer noch keine Zeit, ihr Haar zu bürsten, geschweige denn zu kämmen.
Gewöhnlich steckte sie es einfach auf ihrem Kopf mit einigen Hühnerknochen zu einem Knoten zusammen, nur um es aus dem Weg zu haben.

Nach dem Frühstück putzte sie das Haus, machte die Betten, kümmerte sich um den Garten und bereitete das Mittagessen; dann marschierte sie zwei oder drei Kilometer aufs Feld, um dort ihren Mann zu treffen.
Immer noch keine Zeit, viele Umstände um ihr Haar zu machen.

Nach dem Mittagessen weitere Arbeiten im Haus, die Vorbereitungen des Abendessens; mag sein, dass sie schnell ihr Haar ein wenig attraktiver stecken konnte.
Ihr Mann kam nach Hause, aß sein Abendbrot, war erschöpft von einem langen Tag auf dem Feld und schlief - ohne Fernsehen zu Ablenkung - einfach ein.

Nun wünschte sich seine Frau, ungefähr zehn Jahre jünger als er und deshalb mit wesentlich mehr Energie ausgestattet, ein bisschen Aufmerksamkeit und Liebe - und da schlief er.
So setzte sie sich also vor ihre Kommode (gewöhnlich der einzige richtige Spiegel im ganzen Haus neben dem kleinen, mit dem er sich zu rasieren pflegte) und löste ihr Haar.

Endlich hatte sie Zeit, es auszubürsten, und sie befolgte die Anweisung von den hundert Strichen, die ihr ihre Großmutter in der zeiterprobten Haarpflege-Traditon empfohlen hatte.
Danach fühlte sie sich wahrscheinlich sexy, und so schaute sie ihren Mann an, der, obwohl er schlief, ihren Blick fühlte.
Er wachte auf, war angetan von der prächtigen, wallenden Haarmähne und schlief mit ihr.
Was für ein glückliches Ende eines trüben und anstrengenden Tages!"


Ich habe mir erlaubt, Absätze einzufügen, da der originale Fließtext weniger angenehm zu lesen ist (finde ich).

Eklig wirds gen Ende, wenn er über Kinderhaare fabuliert.
Auch hier zitiere ich:
"Mary-Ellen andererseits ist mit der Seele einer "femme fatale" auf die Welt gekommen; das wird offensichtlich im Alter von zwei Jahren, wenn sie lernt, mit den Wimpern zu klimpern.
Sie möchte Haar, das sie schwingen und werfen kann, um alle Jungs in der Kindergartengruppe zu betören."


Über die Bäuerin, die ihre Haare bürstet, damit ihr Gatte dann sie bürstet, kann man noch lachen; bei Mary-Ellen bleibt mir das Lachen im Halse stecken.
Wenn ihr immer schon mal wissen wolltet, was Frühsexualisierung ist: das hier.
Das hier, und nicht etwa, Grundschülern zu erzählen, wo Babies herkommen. 


Fazit: eine unglaubliche Menge wirklich bekloppter Unfug, dazwischen Werbung.

Montag, 13. Oktober 2025

Langweilige Schminke, Promitratsch fürs Selbstbild, obwohl sie eklig sind und Farbranges

 Ich liebe Schminkkram. Ehrlich.

Ich kaufe das gern, benutze das gern, sammle das gern.

Bonuspunkte, wenn auch noch die Verpackung schön ist.


Aber... irgendwie kommt nichts Neues mehr, das Spaß macht, nur Basics.


Nix gegen Basics, jede Schminkuschi und jeder Schminkulrich braucht eine anständige Palette in Leberwurstfarben. 

Und vielleicht noch eine in der buntesten aller Farben, nämlich grau.


Eine. Nicht 100, die alle ziemlich gleich aussehen. 

Gut, bei Grau fallen zumindest mir sage und schreibe 2 brauchbare ein, aber mit Braun und Leberwurst wird man zugeschissen.


Dazu noch die üblichen Verdächtigen nach Jahreszeit...

Weihnachten: Goldglitzer und Rot, gern mit Vanille- und Gebäckdüften, Silvester: Smokeygedöns mit Silber und Hologlitzer, Frühling: lahmarschiges Pastell, Sommer: Landluft-aus-der-Dose, grundsätzlich nicht für Wasserleichen oder stärker pigmentierte Haut nutzbar, und wasserfeste Mascara, die es das ganze Jahr über gibt, nur minimal schöner verpackt und im Herbst dann warme Gewürzfarben für aufs Auge und Beerentöne für die Futterluke. 

Seit mindestens 10 Jahren, so lange ist Schminken und Schminke kaufen/sammeln schon mein Hobby.


Es kommen laufend nette Sachen, so ist es nicht - mittlerweile ist viel Pflegendes und trotzdem Schönes zu bekommen, auch für ne schmale Mark.

Das ist schön, und als jemand, der die bröckelnden matten Flüssiglippenstifte der 2010er mitgemacht hat, freue ich mich durchaus über ein angenehmes Tragegefühl und Pflege.

Leider sind halt alle alltagstauglich, also nicht auffällig - auffällig heißt hier: ein schönes Rot, Pink oder ein dunklerer Beerenton (der rund umd Jahr gut an bleichen UND dunkleren Hauttypen aussieht).

Generell bedienen wenige Drogeriemarken blasse undoder dunklere Teints - und ich rede jetzt nicht von "so weiß, dass sie im Dunkeln leuchtet" und tiefstes "Schwarz" (dunkle Haut ist NIE nur schwarz, sondern hat immer Untertöne), sondern hell mit kühlen oder neutralen Untertönen und "etwas dunkler als 0815-Mitteleuropäer im Sommer" - durchaus Töne, für die es auch in Deutschland einen Markt gäbe.

Diese Range an BB Creams, Grundierung, Bronzer und Kontur wäre fein - gibt es aber praktisch nicht.

Bei Maybelline habe ich was halbwegs Passendes ergattern können - die haben, als amerikanische Marke, ein breites Sortiment an Teintprodukten in diversen Nuancen, ebenso britische Marken wie Revolution.

Gut, unsere Lokalmatadoren essence und catrice haben auch nachgebessert; leider muss dann aber online bestellt werden. 

Zurück zu "warum ist eigentlich alles so langweilig?"

Gute Basics in der Drogerie für wenig Geld und gut formuliert: astrein, großer Fan, ole ole, weiter so!

Aber auch hier braucht niemand 10 Lipirgendwas, die aufgetragen alle sehr hübsch, aber sehr gleich aussehen.

Balsam lasse ich noch gelten, einen für jede Jacke, aber das war schon zu Labellozeiten sinnvoll.

Aber warum nicht wenigstens ein sexy Rot?

Warum muss alles clean girl langweilig sein? Weg mit dem doofen clean girl, wir wissen alle, dass Clean Girl-Ästethik Bullshit ist.

Leichtes Makeup? Absolut okay.

Ich will nicht so bemalt aussehen? You do you, babe!

Aber Clean girl? Nee, nee. Um diesen Look wirklich ernsthaft durchzuziehen, braucht es mehr als nur ne gute Tagescreme und einen Lippenbalsam mit Peptiden, nämlich minimalinvasive Schönheitsoperationen, einen extrem guten Dermatologen, ein professionelles Team zum Zurechtmachen, in Pose stellen, ausleuchten, fotografieren und retuschieren. 

Glaubt ihr nicht? Dann öffnet die nächste Promitratschwebsite und schaut euch Paparazzifotos an. Und bitte ohne Hass und Häme. 

Was Ihr da sehen werdet: Falten, Pickel, rote Stellen im Gesicht, Dellen am Hintern, dünne Haare, fettige Haare, Speckröllchen, knochige Knie... kurz alles, was man/frau an sich selbst unschön findet.

Kim Kardashian hat Schuppenflechte im Gesicht. Ja und nu? Da machen deine drei Menspickel dich doch auch nicht zum Monster, oder?

Ehrlich gesagt, finde ich diese Promiklatschsites und -magazine widerlich, aber nicht, weil die Stars und Sternchen in Schnappschüssen zeigen; ich finde es total okay und menschlich, dass auch Kinoschönheit XY im Alltag einen fettigen Zottelknödel als Frisur trägt und Pickel hat - das macht die Frau nicht hässlicher. Kein Mensch hat im wahren Leben immer perfekte strahlende Haut und geschmeidiges, glänzendes und wohlfrisiertes Haar.

Widerlich ist die Neigung der Klatschheftchen, jeder Frau unter Kleidergröße 36 eine Mager- und Drogensucht und jeder darüber eine Schwangerschaft anzudichten. 

Trägt sie schöne Kleider und eleganten Schmuck? Kaufsüchtige Verschwenderin, "so protzt XY mit ihrem Reichtum! 😲", trägt sie den gleichen Kram wie ihr Publikum, ist sie natürlich "pleite!!! Wie konnte xy nur so tief fallen?"

Samstag, 17. Mai 2025

Die heitere Bullshit-Parade: Haarschmuck IV

Fashion victims


Innerhalb des Langhaarkosmos gibt es immer wieder Trends - der neuste Dutt, eine neue funky Waschmethode (Roggenschmalz anyone?), irgendwelche neuen Wunderprodukte und natürlich auch Haarschmuck.

Nichts spricht dagegen, sich den Dutt nachzubauen, sich aus Kräutern und ätherischen Ölen Kosmetika zu brauen, den supidupi Wunderbalsam mal zu googeln (und ggfs auszuprobieren) oder sich beispielsweise einen Flachstab oder Sportflexi zu kaufen, so es denn gefällt oder Sinn macht.

Blöd wirds nur, wenn man den Stab nur deshalb kauft, weil alle ihn haben, oder weil XY, die man ja so toll findet und die so schöne Haare hat, sagt, dass sie ihren Flachstab mehr liebt als ihr linkes Bein. Nur hat XY etwa 3m lange, oberschenkeldicke Haare und wird von Mama und Papa finanziert (no hate, wr sind alle neidisch), während Du völlig normale 2aMii-Haare in Schulterlänge und einen Minijob hast.

Oder man sieht bei Forenbeauty ABC immer so tolle vampireske Steckkämme - hui, ein Goth-Träumchen! Will auch! Ungeachtet der Tatsache, dass ABC ihren Stiefel komplett durchziehen kann, da sie ihr Geld als Alternative Model und Content Createrin verdient und dank unverwüstlichen Selbstbewusstsein auch in kompletter Korsettage und Reifrock bei Aldi Klopapier kauft, während man selbst Lehrerin für Handarbeiten und Religion (evangelisch) ist und vollständige Eskalation bedeutet, sich die Fußnägel lila zu lackieren.

Natürlich kann man das Teil trotzdem kaufen und es als Zimmerdeko arrangieren, wenn es denn sein muss.

Nur hat man dann irgendwann einen Wust an unpassenden Haargedöns im Gesamtwert eines Kleinwagens rumliegen, der zustaubt und unordentlich aussieht, aber benutzt nur einen vom Hund angekauten Haarstab, den man 2019 mal bei BB gekauft hat und eigentlich hässlich findet.

In dem Fall: lass den Schmuck, den du tatsächlich tragen würdest, auf deine Größe ändern und tausche/verschenke/verkaufe den Rest. Und kauf dir davon was Schönes, Hochwertiges in der richtigen Größe. 


Was die neuste Forentrendfrisur angeht: ist sie 1. Schön? 2. Mit deinen Haaren und deinem Frisiertalent machbar? 3. für dein Dafürhalten irgendwo tragbar? Ja, ja, ja und ja? Dann probier sie aus, ansonsten ist es halt kein Trend für dich 🤷‍♀️

Und für Pflegemethoden gilt: bist du mit deiner Routine soweit zufrieden? Dann brauchst du die neue Alpakakackaschackalackapackung nicht. Hast du Lust zu Experimentieren und das Meiste davon zuhause bzw musst eh bei Spezialonlinehändler XYZ bestellen? Dann tu dir keinen Zwang an. Hast du das Problem/den passenden Haartyp für die superduper Curarerinse nicht? Dann lass es, man muss nicht jeden Trend mitmachen.


Montag, 12. Mai 2025

Die heitere Bullshit-Parade: Haarschmuck III

 Viel hilft viel!

Oder: Gotta catch 'em all!


Viele Menschen sammeln gern - Eulen, Briefmarken, Porzellannippes... oder Haarschmuck. 


Vor allem Ficcare und SL wird in Foren fast schon manisch gesammelt, alte Ficcare oder OG Canoas gehen für teils irrsinnige Preise weg.

Dagegen ist auch erstmal nichts zu sagen, wenn die Haarschmucksammlung 1. ein mehr oder weniger eigenständiges Hobby ist, 2. sich irgendwie ein roter Faden erkennen lässt undoder 3. tatsächlich der Großteil des Hortes auch benutzt wird.

Leider verselbstständigt sich die Sammelwut gelegentlich, und plötzlich hat man dann einen Überseecontainer voller wild zusammengekauftem Haarschmuck, von denen jedes einzelne Teil zwar schön und wertig ist, aber 95% weder zu persönlichem Stil noch zum Schopf passt und daher als Schubladenleiche vor sich hin schimmelt. 

Extrem ärgerlich, da die Stücke ja meist nicht ganz billig waren und man die 120 € für ein Teil, das man einmal für 15 Minuten und drei Fotos getragen hat, auch hätte verfressen können.


Was kann man nun gegen Sammelwut tun?

Mehrere Dinge:

▪︎ Ein monatliches Limit setzen.

▪︎ Zeitlich begrenzt einen totalen Kaufstopp setzen. Das reicht oft, um sich zu überlegen, ob man dieses Stück wirklich dringend "braucht" oder sich nur grade etwas Nettes gönnen möchte.

▪︎ Regelmäßig die Sammlung durchsortieren. Das schafft nicht nur einen guten Überblick, sondern man kann bei dieser Gelegenheit auch direkt Pflege- und Reparaturarbeiten durchführen und unpassende Teile aussortieren. 

▪︎ Unpassende Stücke tauschen oder verkaufen. Viele Foren haben Swapboards, auch Facebook hat ein Hairtoy Swapboard.


Eine gut geführte Schmucksammlung ist toll anzuschauen, aber sie ist auch teuer und braucht Platz und Pflege.

Und ehrlich: Ihr braucht keine 50 Haarstäbe, von denen 20 nicht so recht in der Länge passen, 5 einen doofen Topper haben, 3 zu kopflastig sind, 2 so teuer waren, dass Ihr Euch damit nur mit Personenschutz nach draußen traut, 5 nur gekauft wurden weil sie billig waren, 4 schon beim Schiefansehen kränkeln, 7 irgendwie eine blöde Farbe haben... und dann hat man/frau trotz einer stattlichen Sammlung mit vierstelligen Wert in Euro doch nur 4 Haarstäbe, die auch tatsächlich regelmäßig das Tageslicht sehen.


Dienstag, 6. Mai 2025

Die heitere Bullshit-Parade: Hasrschmuck II

 Heute: 

Was nix kostet ist auch nix


Jein. 

Es gibt vernünftige maschinell produzierte Ware zu akzeptablen Preisen (und Ficcare: vernünftige maschinell produzierte Ware zu absurden Preisen), und es gibt Handarbeit.

Gute Handarbeit hat ihren Preis, und da geht die Schere weit auseinander: einige Hersteller produzieren bewusst schlichte Modelle aus (relativ) preiswertem Material in immer den gleichen Grundformen und können so trotz verhältnismäßig kleinem Preis für schöne, recht hochwertige Dinge noch Gewinn machen, weil man weder irrsinnig hohe Einkaufskosten hat noch lange Arbeitszeiten berechnen muss (zum Beispiel Alpenlandkunst oder Dragomira, bon der ich mehrere schöne Stäbe besitze). Diese Schmuckstücke sind durchaus hochwertig und schön, aber halt, überspitzt gesagt, eher selten juwelenüberkrustet und ultrafiligran gearbeitet. Dafür aber solide, robuste Stücke für jeden Tag, die eigentlich jedes Langhaar haben sollte.

Andere arbeiten mit luxuriösem Material und/oder aufwändiger, und auch wenn es wahlweise in Portemonnaie oder Herz schmerzt, sind zum Beispiel SteinImBretts oder Jadedraches Preise durchaus gerechtfertigt; beide arbeiten als Kleinstunternehmen extrem arbeits- und zeitintensiv mit hochwertigen Materialien, haben eine individuelle Designhandschrift entwickelt, und die Stücke sind Unikate, haarschonend und solide gearbeitet. Muss man sowas haben? Nein, aber man kann ☝️ und das auch bitte ohne schlechtes Gewissen.

Professionelle Hersteller wie Senza Limiti und Kiehls Klunker haben oft beides im Sortiment, preiswerte Prêt-à-porter-Stücke und teure Haute-couture-Haarschmuck für Gutverdiener mit exquisitem Geschmack. 

Und dann gibt es ja, zum Beispiel bei Bijou Brigitte oder den Drogerien, auch immer mal wieder für kleines Geld maschinell gefertigte Stäbe oder Forken - und die sind qualitativ nicht unbedingt schlecht, nur weil sie für wenig Geld angeboten werden. Sie sind halt weder individuell noch aus edelen Materialien liebevoll hergestellt, sondern einfach ordentliche Fabrikware, ähnlich wie im Fünferpack gekaufte Socken. Das macht diese Stücke nicht zu schlechten Produkten.

Kurz: es ist durchaus möglich, eine hübsche, brauchbare Forke für unter 5 € zu kaufen, es ist aber auch gar kein Problem, eine hübsche, brauchbare Forke für 500+ € zu kaufen, sollten die Finanzen das hergeben. 

Samstag, 3. Mai 2025

Die heitere Bullshit-Parade: Haarschmuck I

Zu Blödsinnigkeiten beim Thema Haarschmuck lässt sich viel sagen, deswegen teile ich das in mehrere Posts auf; keine*r hat Bock, einen Monsterpost mit x Unterpunkten zu lesen, zumal yours truly zu Abschweifungen neigt.


Deswegen heute Folge 1:

Guten Haarschmuck gibt's nicht an jeder Ecke

Öh... doch. 

Zuallererst: haarschonender Haarschmuck sind nicht nur die geheiligten Reliquien jedes Langhasrforums, Stab und Forke, sondern auch Krebsspangen, Slides (zu denen ich auch Flexis zähle)], Ficcare- und Fakeare-Spangen, Steckkämme, Butterfly combs, Scrunchies und anständige Zopfgummis und so ziemlich alles andere, dass das Haar nicht quetscht.

Und grade bei den 0815-Haarschmückern lohnt es sich, beim nächsten Stadtbummel auch mal bei den Billigheimern (Tedi, kik, Action), Drogerieketten und Modeschmuckläden vorbeizuschauen.

Achtet bei Krebsen und Fakeares auf die Federn und auf Pressnähte (die kann man mit Dremel oder einer Nagelpolierfeile entschärfen, sollte das Teil ansonsten super sein).

Meine größte und liebste Krebsspange, genannt der Hummer, ist ein erstaunlich gut verarbeitetes Teil von Tedi; sie hat sage und schreibe 1 € gekostet, hat eine starke Feder, ein irrsinniges Fassungsvermögen und bislang auch grobmotorische Behandlung meinerseits überstanden. 

Grade Tedi hat von klein bis lecko mio! so ziemlich jede Größe, wenn auch nicht immer die extremeren Größen in den stylishsten Designs oder den aktuellen Modefarben. Tedi ist das Haarkrebs-Ulla Popken.

Wo Stabfreunde mit schmalem Portemonnaie fündig werden: Schreibwarengeschäfte und -abteilungen. Schaut nach Bleistiften mit Toppern und sleeken Kulis. Übrigens haben auch Müller und Thalia da eine recht gute Auswahl. 

Auch in den Drogerieketten gibt es neben den üblichen Verdächtigen (Krebse und Fakeares) öfters mal Steckkämmchen, "French pins", die eigentlich nur kleine Forken sind und aufgehübschte Haarnadeln mit Steinchen, Satinrosen oder Perlen oben. 

Als (Wieder-)Einsteiger*in ins Langhaarhobby könnt Ihr also problemlos auch ohne dicke Patte und ohne Internetkaufrausch ein paar schöne, haarschonende und praktische Schmuckstücke beim nächsten Stadtbummel besorgen und damit tolle Frisuren bauen.

Als bekennende Luxus-Prollette sage ich Euch ganz offen: Ich liebe schönen, hochwertigen Haarschmuck, aber selbst der traumhafteste Stab der Welt, geschmiedet aus Einhorntränen und Mondschein, macht Euren Dutt an sich weder schöner noch üppiger noch glänzender als wenn Ihr ihn mit dem ollen Bleistift hochnudelt, an dessen Ende der Hund gekaut hat - die Schönheit des Stabes per se ist nur zusätzliche Deko, in punkto Dutthaltbarkeit, Nützlichkeit, Haarschonung erfüllt sie keinen Zweck. 

Natürlich sollte man trotzdem Dinge kaufen, die einem auch optisch zusagen und am besten noch zu Eurem Kleidungsstil und Eurem Schopf passen - sonst tragt Ihr es eh nicht.

Bis man aber weiß, ob einem das Haarhobby zusagt und bis msn sich auf die Stecktechniken eingegroovt hat, kann man ruhig erstmal mit günstigeren Stücken üben - und sollte man Blut geleckt haben, kann man immer noch anfangen, die üblichen Verdächtigen anzuhäufen (meine Senza Limiti-Sammlung ist ein eigenes Nebenhobby, andere sammeln begeistert alte Ficcares).


Mittwoch, 20. November 2024

Die heitere Bullshit-Parade: Früher war alles besser, äääääh, länger

 Jeder Haarforumsuser weiß felsenfest, dass früher (TM) ALLE Frauen laaaaaaaange Haare hatten ☝️🤓


Stimmt das?

Eindeutig Jein.


Lange Zeit, zumindest von Frühmittelalter bis in die 1940er Jahre hinein, waren lange, gesunde und am besten noch dicke Haare ein Statussymbol - die waren das Zeichen dafür, dass ihre Besitzerin einigermaßen gesund und nicht allzu schlecht ernährt war, und dazu nich Zeit und Geld für deren Pflege und womöglich noch für Schmuck ausgeben konnte.


Wir reden hier von Zeiten, in denen man Gefangenen, Sklaven und (bis nach dem Zweiten Weltkrieg) "gefallenen Mädchen" den Kopf schur. 

Für einen modischen Bob musste frau schon cojones haben.


Auch wenn der Läuse- und Flohbefall zu arg wurde (der Menschenfloh ist mittlerweile aufgrund besser Hygiene praktisch ausgestorben), wurde oft die Schere angesetzt.


Und wer zu wenig Eigenhaar hatte, kaufte einer Bedürftigen deren Haar ab - in Les Miserables verkauft Fantine ihr Haar; selten war das keineswegs.


Ja, aber die viktorianischen Bilder von den Damen mit den bodenlangen Supermatten, wat is damit, hö???

Diese Frauen gab es, die Fotos sind echt. 

Aber: diese Frauen sind alle sehr gut gekleidet, dementsprechend eher nicht die überarbeitete Fabrikarbeiterin oder das verhuschte Dienstmädchen.

 Wohlhabend ist aber seinerzeit auch praktisch gleichbedeutend mit: diese Frau konnte sich regelmäßig satt essen, sie konnte zum Arzt gehen und hatte zur Haarpflege mit Sicherheit die Hilfe von Zofe oder Dienstmädchen.

 Zusätzlich waren Fotografien neu, aufwendig und teuer - die konnte sich nicht jeder leisten, und selbst wohlhabende Menschen haben sich nicht oft fotografieren lassen. 


Jetzt behält man überdies noch im Hinterkopf, dass es auch heute noch, in einem Zeitalter, in dem auch sozial schlechter gestellte Menschen Zugang zu einer ärztlichen Versorgung haben, von der die Viktorianerinnen nicht mal träumen konnten, sich auch Alte und Arme täglich satt essen können, jedes Haus und jede Wohnung warmes Wasser aus der Leitung hat und man für buchstäblich n bisschen Kleingeld ein anständiges Shampoo in jedem Laden bekommt, das auch heute noch in Langhaarforen nur ganz, ganz wenige User*innen solche Längen erreichen.

Einfach deshalb, weil extrem langes Haar ein genetischer Ausnahmefall ist.


Die Sutherland Sisters wurden nicht zu Stars, weil sie so tolle Sängerinnen waren, sondern weil die sieben Schwestern alle sehr, sehr langes, üppiges Haar hatten.


Kurz: diese Frauen waren schon damals Exotinnen, sozial besser gestellte, genetische Ausreißer; deswegen wurden sie fotografiert, als besonders begehrenswerte Ausnahmen von der Regel. Freakshow-Pinups.


Aberaberaber, voluminöse aufwendige Hochsteckfrisuren! Was sachste nu?

Auch das sind echte Bilder, und auch hier gibt's eine einfache Erklärung: diese Frisuren waren modern. 

 Und weil auch damals längst nicht jede modebewusste Dame ausreichend Eigenhaar dazu hatte, gab's in den Frauenzeitschriften jener Zeit neben der neusten Pariser oder Londoner Mode neben zahlreichen Haarwachstumswundermittelchen und hautaufhellender Seife auch ein breites Sortiment an speziellen Steckkämmen, vorbereiteten Haarteilen, Zöpfen, Tressen, Löckchen, Ponys, die Madame sich dazu kaufen konnte.

Glaubt Ihr mir nicht? Seht selbst: antiquepatternlibrary.com


Man kann diese Bilder so betrachten, wie sie von Zeitgenoss*innen betrachtet wurden: mit Staunen und einem gerüttelt Maß Neid, nicht als den Normalfall.